Gesellschaft & Umwelt

Viele Wechselwirkungen und Verknüpfungen von einzelnen Aspekten der Stromversorgung kannst Du im Energiespiel Bayern erleben. Vermutlich wirst Du feststellen, dass es nicht ratsam ist, alles auf eine Karte zu setzen. Denn kein Energieträger kommt ganz ohne spezifische Nachteile aus, die anderweitig ausgeglichen werden müssen. Dadurch können jedoch wieder neue Probleme entstehen, ein klassisches Strategie-Dilemma.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Das „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“, kurz auch Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), unterstützt die Weiter­ent­wicklung von Technologien zur Erzeugung von Strom aus erneuer­baren Energien. Vom EEG gefördert wird Strom aus re­ge­ne­ra­tiven Quellen wie Wind, Wasser­­kraft, Solar­energie, Klär-, Deponie- oder Grubengas, Biomasse oder Geo­thermie. Fossile Energieressourcen sollen geschont und die mit ihrer Ver­stro­mung ver­bundenen, klima­schädigenden CO2-Emissionen ge­min­dert werden.

Das Gesetz wurde am 1. April 2000 im Deutschen Bundestag ver­ab­schie­det und 2004, 2009 2012 sowie Mitte 2014 geändert. Das EEG fügt sich in eine Reihe weiterer nationaler wie internationaler umwelt- und energie­politischer Maßnahmen ein, wird aber in besonderer Weise mit der poli­ti­schen Förderung der Energiewende in Deutschland in Verbindung ge­bracht.

Mehr anzeigen

Wirkungsprinzip des EEG

Das EEG baut bis zur Novellierung im Jahr 2014 im Wesentlichen auf zwei komplementären Säulen auf: Dem Vorrangprinzip und der Ein­speise­ver­gü­tung. Zum einen werden Netz­betreiber gesetzlich dazu ver­pflichtet, Strom aus er­neuer­baren Quellen, der unter das EEG fällt, vorrangig vor Strom aus nuklearen oder fossilen Energie­trägern abzunehmen. Die Netz­be­­trei­ber müssen ihr Netz ge­ge­be­nen­falls sogar aus­­bauen, soweit es wirt­schaft­lich zumutbar ist, um den ihnen angebotenen Strom aus erneuerbaren Energieträgern auf­neh­men zu können. Dieses Vorrangprinzip bleibt auch weiterhin erhalten.

Das Fördersystem wird jedoch mit der aktuellen Reform für Neuanlagen grundlegend umgestellt. Für bisher in Betrieb genommene Anlagen gilt eine bindende tech­nologie­spezifische Ein­speise­vergütung für jede Art von Strom aus erneuer­baren Energien (EE). Die Netz­betreiber müssen den An­bietern von EE-Strom, in der Regel für 20 Jahre, den gesetzlich vor­ge­sehenen Preis zahlen und legen die Mehrkosten dafür auf die Strom­ver­brau­cher mit der sogenannten EEG-Umlage um. Dieser variiert je nach Energieform teil­weise er­heblich. Für die Anbieter erneuer­barer Energien schafft die Einspeisevergütung finan­zielle Anreize und Planungs­sicherheit.

Die EEG-Umlage ist zuletzt stark gestiegen. Sie entspricht heute etwa einem Viertel des Haushaltstrompreises 2014. Um einen weiteren Strom­preis­an­stieg zu verhindern, hat sich der Gesetzgeber für einen System­wechsel bei der Förderung erneuerbarer Energien entschieden.

Zwar wird es für kleinere Anlagen auch weiterhin feste Ein­speise­ver­gü­tungen geben. Allerdings sieht das EEG 2014 als Regelfall die Selbst­vermarktung des produzierten Stroms aus erneuerbaren Energien vor. Das heißt Anlagenbetreiber müssen den erneuerbaren Strom an der Strom­börse oder direkt an die Verbraucher verkaufen. Damit wird die Markt­integration der erneuerbaren Energien weiter vorangetrieben. Zum Aus­gleich der Mehrkosten erhalten sie eine sogenannte Marktprämie. 2017 wird ein weiterer Reformschritt wirksam: Wer eine Förderung in welcher Höhe erhält, wird ab diesem Zeitpunkt in Ausschreibungen ermittelt.

Das EEG spielt als Steuerungs- und Förderinstrument im Hinblick auf die Erreichung der Ausbauziele für erneuerbare Energien im Strombereich sowie einer Energieversorgung im Interesse des Klima- und Umwelt­schutzes eine wesentliche Rolle.

Weniger anzeigen

Das EEG im Energiespiel Bayern

Im Energiespiel Bayern hast Du keine Möglichkeit, Gesetze wie das EEG zu erlassen. Du kannst aber einstellen, wie viel Cent Du auf den Preis für eine Kilowattstunde Strom aufschlagen möchtest. Die Höhe des Aufschlags auf den Strompreis beeinflusst Deine Finanzen. Mit Deinen monatlichen Einnahmen kannst Du den Um­bau der Stromversorgung steuern. Zudem kannst Du das Ver­halten der Bevölkerung über die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien sowie mittels verschiedener Informations­kampagnen beeinflussen.

Radioaktive Abfälle

Bestimmte „Nuklide” (Atomkernarten) haben die Eigenschaft sich von selbst umzuwandeln. Dabei wird sogenannte ionisierende Strah­lung frei. Diese Eigenschaft wird als Radioaktivität bezeichnet. Die Kerne radio­aktiver Atome heißen Radionuklide. Bei den in der Natur vorkommenden Radionukliden spricht man von natürlicher Radio­ak­ti­vi­tät, bei den durch künstliche Kernumwandlung erzeugten Radio­nukliden von künstlicher Radio­aktivität.

Natürliche Radioaktivität gibt es überall. Ein Teil der damit ver­bun­de­nen ionisierenden Strahlung kommt aus dem Boden und Gestein („terres­trische Strahlung”), ein weiterer aus dem Weltraum („kos­mische Strah­lung”). Auch Nahrung und Atemluft enthalten geringe Mengen an radioaktiven Stoffen, die vom Körper zum Teil auf­ge­nom­men werden.

Mehr anzeigen

Woher kommen radioaktive Abfälle?

Radioaktive Abfälle werden an vielen Stellen produziert, nicht nur beim Be­trieb von Kernkraftwerken, sondern auch in Kranken­häu­sern, in der In­dus­trie und in der Forschung. So arbeiten bei­spiels­weise Ärzte mit radio­aktiven Stoffen zu diagnostischen und the­ra­peu­tischen Zwecken. Es gibt sie aber auch in ganz anderen Be­rei­chen: So sind bei der Erdöl­förderung die Bohrgestänge mit Ab­lage­rung­en behaftet, die aus geolo­gischen Gründen Radium und Uran, also natürliche radioaktive Stoffe, enthalten.

Abfallarten

Radioaktive Abfälle werden aufgrund ihren physikalischen Eigen­schaften in folgende Kategorien eingeteilt:

  • Hochradioaktive Abfälle (HAW) oder auch Wärme entwickelnde Abfälle. Hierzu zählen insbesondere abgebrannte Brennelemente aus dem Betrieb der Kernkraftwerke und Forschungs­reaktoren sowie verglaste Abfälle aus der Wiederaufarbeitung. Hoch­radio­aktive Abfälle machen nur weniger als 10% des Gesamtvolumens der in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle aus. Die Ab­gabe von abgebrannten Brennelementen von Kernkraftwerken an eine Wieder­auf­arbeitungs­anlage ist seit 1. Juli 2005 in Deutsch­land verboten. Bei der Wiederaufarbeitung wurden aus den ab­ge­brannten Brenn­elementen Uran und Plutonium in einem groß­technischen Prozess abgetrennt und teilweise in neuen Brenn­­elementen verarbeitet. Dabei entstehen auch hoch­radio­aktive Abfälle, die verglast wurden. Da die Wieder­auf­ar­bei­tung deutscher Brennelemente in Frank­reich und in Groß­britannien erfolgte, müssen diese Abfälle ver­trags­ge­mäß wieder nach Deutschland zurückgeführt werden.
  • Schwach- und mittelradioaktive Ab­fälle (LAW und MAW) oder auch Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. Zu die­sen Abfällen zählen alle anderen radioaktiven Abfälle, zum Beispiel konta­minierte Werk­zeuge, Schutzkleidung, Dekontaminations- und Reinigungsmittel oder Labor­abfälle. Schwach- und mittelradioaktive Abfälle machen mehr als 90% des Gesamtvolumens aller in Deutschland anfallenden radio­aktiven Anfälle aus.

Was passiert derzeit mit den radioaktiven Abfällen?

Bis in Deutschland ein Endlager errichtet und in Betrieb genommen wird, werden die radioaktiven Abfälle sicher zwischengelagert. Für schwach- und mittelradioaktive Abfälle aus Forschung, Medizin und In­dus­trie haben die einzelnen Bundesländer so genannte Landes­sammel­stellen ein­ge­rich­tet. Die Landessammelstelle Bayern hat ihren Hauptsitz in Mitterteich. Daneben gibt es noch die Annahme­stelle Süd bei Neuherberg, in der vorwiegend flüssige sowie faul- und gärfähige radioaktive Abfälle ab­ge­geben werden können. Am Stand­ort Mitterteich werden in einer eigenen Halle der Kern­kraft­werks­­betreiber auch die schwach- und mittel­radioaktiven Abfälle aus dem Betrieb der bayerischen Kernkraftwerke zentral zwischen­gelagert.

Für die hochradioaktiven Abfälle wurden an allen deutschen Kraft­werks­standorten sogenannte dezentrale Zwischenlager eingerichtet. Daneben gibt es noch die zentralen Zwischenlager Gorleben (La­ge­rung von ab­ge­brann­ten Brennelementen aus den ver­schie­de­nen deutschen Kern­kraft­werken und zurückgeführte Abfälle aus der Wiederaufarbeitung) und Ahaus (Lagerung von Betriebs- und Stilllegung­s­abfällen aus deutschen Kern­kraft­werken sowie Lagerung von abgebrannten Brenn­elementen von For­schungs­­reaktoren).

Wie sollen radioaktive Abfälle endgelagert werden?

Nach europäischen Vorgaben müssen radioaktive Abfälle ein­ge­schlos­sen und langfristig vom Menschen und der belebten Um­welt isoliert werden. In Deutschland, wie auch in vielen anderen Staaten, wird hierzu die End­lagerung radioaktiver Abfälle im tiefen­geo­lo­gi­schen Untergrund als eine geeignete Entsorgungs­option an­ge­se­hen. Über lange Zeiträume wäre eine oberflächennahe Zwi­schen­­lagerung keine Alternative zur Endlagerung und zu­künf­ti­gen Ge­ne­ra­tionen gegenüber unverantwortlich.

Für die Endlagerung in Tiefenlagern sind geologische Barrieren er­forder­lich. Als mögliche Wirtsgesteine werden weltweit Steinsalz, Ton und Granit untersucht. Die radioaktiven Abfälle sollen hier in Tiefen von mehreren hundert bis 1.000 Meter unter der Erd­ober­fläche gebracht werden.

Für die Endlagerung von radioaktiven Abfällen wird in Deutschland das sogenannte Zwei-Endlager-Konzept verfolgt, da hochradioaktive Abfälle andere Anforderungen an ein Endlager stellen als schwach- und mittel­radioaktive. Beide Abfallsarten sollen demnach getrennt voneinander in tiefengeologischen Formationen endgelagert werden.

Gibt es bereits Endlager in Deutschland?

  • Schwach- und mittelradioaktive Abfälle: Mit dem Endlager Konrad in Salzgitter (Niedersachsen) gibt es bereits das erste nach Atom­­recht genehmigte Endlager für schwach- und mittel­radioaktive Abfälle in Deutschland. Die Schachtanlage Konrad, ein ehemaliges Eisen­erz­bergwerk, wird seit 2007 für die Ein­lagerung der radioaktiven Abfälle umgebaut. Konrad ist für 303.000 m3 Abfallgebindevolumen genehmigt. Dies entspricht nach den Abfallprognosen des Bundesamtes für Strah­lenschutz dem Abfallanfall in Deutschland bis zum Jahr 2040.
  • Hochradioaktive Abfälle: Für die Endlagerung von hochradioaktiven, also Wärme entwickelnden Abfällen muss noch ein End­lager­stand­ort fest­gelegt werden. Bund und Länder haben gemeinsam die Voraus­set­zung­en hierfür geschaffen. Konsens ist, beginnend mit einer weißen Deutschlandkarte einen Standort für ein Endlager auf der Grund­lage geologisch-fachlicher Kriterien zu bestimmen. Der derzeitige Ent­wurf eines Stand­ort­auswahl­gesetzes ist das Ergebnis der vom Bundes­ministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktor­sicherheit (BMU) initiierten Bund-Länder-Gespräche. Mit diesem Gesetz soll der Rechts­rahmen für ein bundesweites Standort­auswahl­verfahren zur Suche eines End­lagers für Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle geschaffen werden.

Gesellschaftliche Aspekte der Lagerung radioaktiver Abfälle

Häufig sind Transporte von hochradioaktiven Abfällen von der Wie­der­­­­auf­­berei­tung zur Zwischenlagerung Ziele von Protesten. Sie richten sich allerdings eher gegen die Nutzung der Kernkraft zur Strom­­erzeugung schlechthin als gegen die Lagerung der Rück­stände.

Die Lösung des Problems der Endlagerung für hochradioaktive Ab­fälle ist bereits jetzt unabhängig von den Rest­lauf­zeiten der Kern­kraft­werke zu bewältigen. In Deutschland ist das ehemalige Erz­berg­­werk „Schacht Konrad” als Endlager für schwach- und mittel­radioaktive Abfälle ge­neh­migt. Der Ausbau findet derzeit statt. Für hochradioaktive Abfälle ist in den letzten Jahrzehnten der Salz­stock Gorleben erkundet worden. Die Erkundung ist nahezu ab­ge­schlos­sen, im Moment aber aus politischen Gründen gestoppt, um weitere Standortalternativen untersuchen zu können.

Weniger anzeigen

Radioaktive Abfälle im Energeispiel Bayern

Im Energiespiel Bayern gibt es im Startjahr 2013 bereits radioaktive Abfälle, die sich in sicheren Zwischenlagern an den Kernkraftwerken befinden. Es kann also ratsam sein, einen Stand­ort für ein Endlager zu erforschen, zumal Deine Kern­kraft­wer­ke noch einige Jahre in Betrieb sein werden.

Ein Endlager ist teuer, kann nur an geolo­gisch geeigneten Stellen gebaut werden und bringt unter Umständen die Anwohner gegen die Energiewende auf. In Anlehnung an die tatsächlichen Verhältnisse 2013 in Deutschland, kannst Du im Forschungsmenü gemeinsam mit dem Bund und den anderen Bundesländern nach geeigneten geo­­lo­gi­schen Strukturen suchen, um den besten Stand­ort zu finden. Auch wenn diese Standortsuche viele Jahre dauern kann, wirst Du dank der innovativen Ansätze schon sehr schnell öko­no­misch und ökologisch von diesem Projekt profitieren kön­nen. Die Alternative, kein Lager zu erforschen, bedeutet, dass die Bevöl­kerung dauerhaft an den zwischen­gelagerten radioaktiven Ab­fällen Anstoß nimmt. Wenn Du Dich nicht mit der Endlagerfrage befasst, belastest Du die Punkte­konten Soziales und Ökologie.

Bürgerbeteiligung & Akzeptanz

Die Stromversorgung ist eines der wichtigsten Elemente einer modernen Industriegesellschaft. Kommt sie zum Erliegen, herrscht Ausnahme­zustand. Die öffentliche, mediale Kommunikation, die wirt­schaft­liche Produktion und große Teile des Güter- und Personen­verkehrs sind ebenso von der Stromversorgung abhängig wie der über­wiegende Teil des Privat­lebens, aus dem Strom ver­brau­chen­de Geräte nicht mehr weg­zu­denken sind. Das Strom­netz ist auch ein „soziales Netz”. Wir alle sind auf vielfache Weise daran angeschlossen.

Gleichzeitig treffen die unterschiedlichen Arten der Stromer­zeu­gung, Strom­speicherung und des Stromtransports nicht auf unge­teilte Akzep­tanz. Völlig unumstrittene Technologien in diesem Feld gibt es schlicht­weg nicht. So hat jeder einzelne Energie­träger Teile der Gesell­schaft aus unterschiedlichen Gründen gegen sich. Bei Strom aus Kernkraftwerken werden die Entstehung radioaktiver Abfälle und gesund­heitliche Risiken durch mögliches Entweichen von Radioaktivität kritisiert. Kohlekraft und in ge­ring­er­em Umfang auch Energie aus Erdgas sind mit den Pro­blemen endlicher Ressourcen und vor allem der Freisetzung des klimaschädlichen CO2 konfrontiert. Wasserkraft wird wegen der teilweise großen Ein­griffe in Landschaft und Ökosystem bemängelt. Biomasse kämpft mit dem Vorwurf und den Problemen von Monokulturen. Geothermie weckt Befürchtungen seismischer Erschüt­te­rungen. Onshore-Windkraft wird häufig wegen des Eingriffs in die Landschaft („Ver­spargelung”), aber auch wegen Vernach­läs­si­gung des Vogel­schut­zes angegriffen. Hochspannungsleitungen werden wegen „Elek­trosmog” und Photovoltaik und Erdkabel aufgrund hoher Kosten kri­ti­siert.

Mehr anzeigen

Manche dieser Argumente zielen auf größere volkswirtschaftliche Zusam­menhänge ab, andere werden regional von betroffenen An­wohnern genannt. Die Kritikpunkte werden dadurch mit unter­schied­licher Stärke und Reichweite vertreten, von der lokalen Bürger­initiative etwa gegen eine Wind­kraftanlage oder ein Kohle­kraft­werk bis hin zur länderübergreifenden poli­tischen Be­we­gung der Atom­kraft­gegner.

Die Stromversorgung stellt die Gesellschaft also vor ein gewisses Dilemma: Unverzichtbar ist sie zum einen, niemals voll akzeptiert oder sogar vehement abgelehnt sind ihre zahlreichen „Begleit­er­schei­nungen” zum anderen. Die Motivation der Bürger, auf die Barrikaden zu gehen, kann sehr unterschiedlich sein und ist schwer vorher­sehbar. Oft ist es die Befürchtung, dass sich die Lebens­qualität am Wohnort ver­schlech­tert. Manchmal ist es aber auch der Ärger darüber, dass eine Politik über die Köpfe der betroffenen Menschen hinweg be­trie­ben wurde.

Bürgerbeteiligung und die Möglichkeit sich einzubringen

Die Errichtung von Anlagen zur Energieerzeugung und von Lei­tung­en zur Verteilung der Energie beim Umbau der Energieversorgung wirkt sich auf das Landschaftsbild aus. Kraft­werke und Strom­mas­ten sind beispiels­weise weithin sichtbar. Ob sich die Menschen von der Energie­infrastruktur gestört fühlen oder nicht, hängt stark vom subjektiven Empfinden des Einzelnen ab. Dennoch können In­for­mation und Beteiligung (Partizipation), helfen, die Akzeptanz der Bürger für Energieinfrastruktur zu erhöhen. Deshalb ist es im deutschen Planungsrecht vorgesehen, die Bürger früh­zeitig und um­fassend zu einzubinden. Als Betroffener kann ich zu einem ge­plan­ten Projekt Stellung nehmen und mir sicher sein, dass mein Ein­wand gehört wird. Beteiligung bedeutet aber auch Ver­ant­wor­tung. Eine Beteiligung von Bürgern, die nur die Ver­hin­de­rung eines Projekts zum Ziel hat, wird der großen Aufgabe Energiewende nicht gerecht .

Darüber hinaus gibt es weitere Möglichkeiten, wie sich Bürger ein­bringen können, wenn etwa auf kommunaler Ebene Ent­schei­­dung­­en im Zusam­men­hang mit der Energieversorgung getrof­fen werden. Im Vorder­grund steht sicher die Möglichkeit, bei Kom­munalwahlen die­jenigen Vertreter zu wählen, die sich für die per­sönlichen In­te­res­sen stark machen. Ehren­amtlichs Engagement in Parteien und anhängigen Arbeitskreisen ver­schafft Einfluss auf das lokale politische Geschehen. Alle Bürger haben auch die Möglichkeit, durch ihr Konsum­­verhalten Einfluss zu nehmen („Referendum durch Konsum”) und bei­spiels­weise einen „grünen” Strom­anbieter zu wählen oder ent­spre­chend hergestellte Produkte zu kaufen. Teil­weise setzen die finan­ziellen Mög­lich­keiten hier Grenzen, wobei man­cher­orts Öko­strom güns­tiger sein kann als konventioneller Strom. Eine weitere Möglichkeit sich einzubringen ist, Strom nicht zu „Spitzen­zeiten” nachzufragen, also dann wenn es alle tun. Das entlastet unsere Strom­ver­sorgungssysteme und man verringert dadurch den Aus­bau­bedarf. Und zu guter Letzt: Strom sparen. So banal es klingt. Strom der nicht nachgefragt wird, muss nicht er­zeugt werden. Strom sparen ist einer der wichtigsten Erfolgs­faktoren der Energiewende.

Wer sich zusätzlich zu den hier genannten Punkten engagieren möchte, hat zunehmend die Möglichkeit sich bei konkreten Vorhaben zum Ausbau der Energieinfrastruktur ein­zu­bringen. Der Weg, der von der Politik und vielen Energie­versorgern inzwischen immer häufiger beschritten wird, heißt Partizipation und Bürgerbeteiligung. Mit frühzeitig und professionell orga­ni­sier­ten Beteiligungsverfahren können die re­le­vanten gesell­schaft­lichen Akteure in ein gemeinsames Verfahren eingebunden werden. Im Idealfall kommt man im Rahmen der Verfahren zu struk­tu­rier­ten und gemeinsamen Ergebnissen, die an Politik und Energieversorger als fundierte und meist weithin ak­zep­tierte Empfehlungen aus­ge­spro­chen werden.

Wie bereits angedeutet, beinhalten auch Genehmigungs- oder Planungs­verfahren der Regionalen Planungsverbände und Kom­mu­nen eine öffent­liche Beteiligung. Ein zentraler Erfolgsfaktor der Bürgerbeteiligung ist die Frühzeitigkeit. Also der Einbezug der Bürger bevor ein Konflikt eskaliert. Beispielsweise beim Bau von Windkraftanlagen: bevor konkrete mögliche Standorte in den Kommunen bekannt werden, sollte die öffent­liche Diskussion um Windkraft gestartet werden. So wird es möglich, dass Anwohner abseits vom „Sankt-Florians-Prinzip” die Notwendigkeiten der Technologien diskutieren können.

Energieversorger, lokale Politik und Genossenschaften versuchen zu­nehmend über konkrete Anlässe hinaus die Bürger über Chancen und Heraus­forderungen der künftigen Energie­ver­sor­gung zu in­for­mie­ren. Bürgerinformation unterscheidet sich vom Beteiligungsverfahren darin, dass Rückmeldungen nicht systematisch aufgenommen werden, sondern der Fokus darauf liegt, lediglich über beabsichtigte Vorhaben aufzuklären.

Auch die abstrakten Kernthemen der Strom- und Energieversorgung können mit Hilfe von Beteiligung der Bürger langfristig fundierter, infor­mierter und akzeptierter entschieden werden. Mit Beteiligungs­projekten wird das gesellschaftliche Thema der Stromversorgung an die Gesellschaft zurückzugeben. Letztendlich ist auch das Energie­spiel eine Form, sich experimentierfreudig und mit eigenen Ideen und Szenarien am öffentlichen Energiediskurs zu beteiligen.

Weniger anzeigen

Bürgerbeteiligungen im Energiespiel Bayern

Im Spiel kannst Du die Vorteile der Bürgerbeteiligung kennenlernen und nutzen. Du hast die Wahl, bei Neubauten von Kraftwerken In­for­ma­tions­­veranstaltungen oder Beteiligungsverfahren zu initiieren. Diese Verfahren kosten zwar Geld, bieten aber die Chance, dass der Kraft­werks­bau besser akzeptiert wird. Falls ein geplantes Bau­vor­haben nicht akzeptiert wird, entstehen Dir hohe Kosten, um den Konflikt zu regeln. Von daher sind Informationsveranstaltungen und Beteiligungs­verfahren gute Investitionen in die Zukunft, um even­tu­elle höhere Folgekosten einzudämmen.

Du kannst zur Verbesserung der Beteiligungsver­­fahren auch For­schungen anstellen und dadurch auto­ma­tische Beteiligungs­verfahren bei allen Kraftwerksbauten freischalten. Die auto­ma­ti­schen Beteiligungsverfahren verursachen keine zu­sätz­lichen Kosten, sondern sind bereits durch Deine Investition in die For­schung bezahlt. Der Vorteil ist, dass die auto­matischen Ver­fahren auf Dauer geringere Kosten verursachen. Erforsche die Mög­lich­kei­ten des Dialogs und setze beim Kraftwerksbau die Bürger­­be­tei­li­gungsverfahren ein! Im Spiel ist es allerdings wie in der Realität: Es kann ab und zu vorkommen, dass Informations- und Be­tei­li­gungs­veranstaltungen nicht die gewünschte Akzeptanz für einen Kraftwerksbau erzeugen.

Treibhauseffekt & Klimawandel

In einem Treibhaus lässt die Glashülle Licht herein, aber Wärme nicht hinaus. Das Treibhaus wärmt sich also auf. Die Durch­lässig­keit für kurz­wellige Lichtstrahlen, aber nicht für lang­wellige Wärme­strahlung, nennt man auch „selektive Transparenz”. Sie ist die Grundlage für den so ge­nannten Treib­haus­effekt, also die Rück­strahlung von Wärme aus einer um­gebenden Schicht, wie der At­mo­sphä­re von Planeten.

Für das Leben auf der Erde ist der Treibhauseffekt der Atmosphäre von zentraler Bedeutung. Ohne ihn würde die Durchschnitts­tem­pe­ra­tur auf der Erde von durchschnittlich +15 °C auf -20 °C sin­ken. Der Treibhauseffekt hat damit einen ent­schei­den­den Anteil an der Gestaltung des Klimas der Erde.

Mehr anzeigen

Hervorgerufen wird der atmosphärische Treibhauseffekt durch Treib­haus­gase. In erster Linie ist dies schlicht Wasserdampf mit einem Anteil von etwa 66%, gefolgt von Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan, Lach­gas und Ozon. Der Anteil von CO2 am Treibhauseffekt beträgt circa 30%, ist aber auch abhängig von regionalen Kon­zen­tra­tio­nen und Mischungs­ver­hält­nissen.

Humane Kohlenstoffdioxid-Emission

Allerdings spielt CO2 eine zentrale Rolle in der Diskussion um den men­sch­lichen Anteil am Klimawandel. Derzeit wird etwa die Hälfte der hu­ma­nen CO2-Emissionen noch von Ozeanen und der Erd­ober­fläche, vor allem von Pflanzen, aufgenommen. Die andere Hälfte reicht jedoch aus, um die Konzentration in der Atmosphäre seit der Indus­tri­ali­sierung mess­bar zu verstärken. Die zusätzlichen CO2-Emissionen gelten als Hauptursache für eine Verstärkung des Treibhauseffekts, der wiederum mit zur globalen Erwärmung führt.

90% der deutschen CO2-Emissionen sind energiebedingt. Energie­politik ist folglich der Schlüssel für erfolgreichen Klima­schutz. Um den CO2 -Ausstoß zu reduzieren, müssen wir unseren Energie­ver­brauch senken und Energie möglichst kohlenstoffarm pro­du­zie­ren.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind die CO2-Emissionen in Deutschland seit 1990 um rund 20% zurückgegangen, von über einer Mil­li­ar­de Tonnen im Jahr 1990 auf etwa 830 Millionen Tonnen im Jahr 2013. Für das Jahr 2013 ergab sich folgende Auf­schlüs­selung der deutschen CO2-Emissionen nach Quellen:

  • Energiewirtschaft (vor allem Kohle- und Gaskraftwerke ): 43%
  • Verkehr (Auto, Bahn, Flugzeug): 19%
  • Haushalte und Kleinverbraucher: 17%
  • Verarbeitendes Gewerbe und Industrieprozesse: 21%

Innerhalb der Energiewirtschaft stammt der Löwenanteil der Emis­si­onen aus Kraftwerken, die fossile Energieträger ver­bren­nen, vor allem Kohle und mit einigem Abstand dahinter Gas.

Der menschliche Anteil am Klimawandel

Der Klimawandel beschäftigt seit mehr als einem Jahrzehnt Politik und Öffentlichkeit. Er lässt sich mit konkreten Daten messen. Die Durch­schnitts­­temperatur der Luft in Bodennähe hat sich nach An­gaben des Weltklimarats IPCC zwischen 1906 und 2005 um 0,74 °C erhöht. Seit Beginn der Messungen vor 160 Jahren war das Jahr 1998 das durch­schnitt­lich wärmste. Das wärmste Jahrzehnt lag in den Jahren 2000 bis 2009, gefolgt von den 1990er und dann den 1980er Jahren.

Die These, dass die Auswirkungen menschlichen Verhaltens einen bedeu­ten­den Anteil am Wandel des Weltklimas haben, ist mitt­ler­wei­le wissen­schaft­lich anerkannt. Vor allem die Emissionen von Treibhausgasen wie CO2 und die zunehmende Rodung von CO2-absorbierenden Wald­flächen haben den größten Anteil an der Verstärkung des Treibhaus­effekts und damit der globalen Er­wär­mung der Erdoberfläche.

Die Folgen des Klimawandels sind weit reichende Umwälzungen in den weltweiten Ökosystemen. Eine der Befürchtungen betrifft den bereits mess­baren Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der ab­schmelzenden polaren Eiskappen. Vor allem flach gelegene Länder in Meeresnähe, wie die Inselstaaten des Pazifik, sind dadurch in ihrer Existenz bedroht. Generell ist die Anfälligkeit für Folgen des Klimawandels in struktur­schwachen Regionen der Welt mit sen­sib­len ökologischen Bedingungen am größten. In Afrika etwa werden Dürren, Überflutungen sowie neue Ausbreitungen von Krank­heiten wie Malaria mit dem Klimawandel in Verbindung ge­bracht.

Klimapolitisch werden sowohl das Ziel einer Anpassung an die Folgen des sich bereits vollziehenden und unvermeidbaren zu­künf­ti­gen Klimawandels verfolgt, als auch das Ziel einer Eindämmung einer weiteren Erwärmung durch eine Reduktion von Treibhausgas-Emissionen. Besonders für die hoch industrialisierten Länder sind die internationalen Reduktionsvorgaben eine Heraus­forderung und historische Verantwortung. Die langfristigen Kosten für die Folgen eines ungebremsten Klimawandels werden im all­ge­meinen als wesentlich höher veranschlagt als die Kosten einer am­bi­tio­nier­ten CO2-Reduktion. Ein von der Europäischen Union 2005 eingeführtes Instrument, die CO2-Emissionen aus Kraftwerken und Industrieanlagen sukzessive zu verringern, ist der seinerseits nicht unumstrittene Handel mit Emissions­zertifikaten.

Weniger anzeigen

Nach oben